Die Schlacht um Aleppo geht zu Ende

Die Schlacht um Aleppo nähert sich ihrem bitteren Ende. Es sieht so aus als hätte die syrische Armee mittlerweile fast die gesamte Altstadt von Aleppo unter ihre Kontrolle gebracht. Meldungen häufen sich, dass sich Kämpfer verschiedener Oppositionsgruppen ergeben hätten und andere (v.a. jihadistische Gruppen wie Jabhat Fatah ash-Sham und Ahrar ash-Sham) versuchen sollen durch die Stadt sich in Richtung der Oppositionsgebiete westlich von Aleppo durchzukämpfen. Meldungen aus der Stadt sind seit Wochen mit Vorsicht zu genießen. Aber es ist zweifelslos so, dass die Schlacht um Aleppo in diesen Tagen zu Ende geht. Es scheint nun eine Einigung zwischen Russland und der Türkei zu geben, dass die Opposition aus Aleppo abziehen soll und die Türkei die letzten eingeschlossenen Truppen nicht mehr retten wird. Die Türkei hat die Milizen in Aleppo jedenfalls Fallen gelassen und ermöglicht es damit dem Regime und seinen Verbündeten die Stadt vollständig einzunehmen.
Der Fall von Aleppo bedeutet noch nicht, dass das Regime den Krieg gewonnen hat, allerdings sehr wohl, dass ihn die Opposition nicht mehr gewinnen wird. Aleppo war sicher nicht das Ende des syrischen Bürgerkriegs, sehr wohl aber eine sehr entscheidende Schlacht. Das Regime wird nun wohl die Bedingungen für einen Waffenstillstand weitgehend diktieren können. An eine Rückkehr von Flüchtlingen ist angesichts der Zerstörungen in der Stadt in den nächsten ein bis zwei Jahren wohl kaum zu denken.
Die Schlacht um die zweitgrößte Stadt Syriens war eine menschliche, politische und kulturhistorische Katastrophe! Hier wurde in den letzten vier Jahren Weltkulturerbe ersten Ranges zerstört, das von der Umayaden-Moschee bis zum größten gedeckten Bazar der Welt reichte. Wie viele historische Wohnhäuser, Kirchen, Moscheen oder Reste antiker Bauten zerstört wurden, wird sich erst in den nächsten Wochen zeigen. Wenn eine der ältesten Synagogen der Welt, die bei der Auswanderung der Juden aus Aleppo zwar ausgeräumt aber nicht zerstört wurde, noch stehen würde, wäre dies wohl ein kleines Wunder.
In den nächsten Tage wird es aber wohl primär darum gehen, die verbliebene Zivilbevölkerung zu versorgen. In Ost-Aleppo war die medizinische Versorgung bereits vor einigen Wochen zusammengebrochen. Lebensmittelvorräte waren erschöpft. Selbst sauberes Trinkwasser wurde knapp. Wenn nicht noch mehr Menschen aus Aleppo sterben sollen, ist hier nicht nur Syrien dringend gefragt Nothilfe zu leisten.
Offen ist auch die Frage nach der Zukunft des kurdischen Viertels Sheikh Maqsood, das weiterhin unter Kontrolle der YPG steht, die in den letzten Wochen auf der Seite des Regimes gegen die Rebellen gekämpft hat. Ob dies zu einer dauerhaften Akzeptanz der YPG/YPJ durch das Regime führt, darf allerdings bezweifelt werden.

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