Offensive gegen den IS in Mosul: Befreiung der Ninive-Ebene

Die Offensive irakischer Truppen, gemeinsam mit kurdischen Peshmerga und ihren schiitischen und assyrichen Verbündeten, bedeutet zunächst auch die Befreiung der Ninive-Ebene östlich von Mosul, die bis zur Eroberung dieses Gebietes durch den IS im August 2014 v.a. von christlichen aramäischsprachigen ChaldäerInnen, AssyrerInnen und Angehörigen der heterodoxen ethno-konfessionellen Minderheit der Shabak bewohnt war. Dazwischen gab es sechs Dörfer der ebenfalls heterodoxen religiösen Minderheit der Kaka’i und zwei von arabischsprachigen Êzîdî bewohnte Dörfer. Die Region war eine der ethnisch und konfessionell am stärksten gemischte Region des Irak und includierte die einzigen Landkreise des Irak in denen aramäischsprachige Christen eine Mehrheit bildeten. Gemeinsam mit den anderen nichtsunnitischen Minderheiten mussten sie im August 2014 vor den heranrückenden Jihadisten des IS fliehen und leben seither in Lagern für Intern Vertriebene in der Kurdistan-Region des Irak.

Flüchtlingskinder von Shabak-Familien aus der Ninive-Ebene in einem IDP-Camp in der Nähe von Erbil, Jänner 2015.

Flüchtlingskinder von Shabak-Familien aus der Ninive-Ebene in einem IDP-Camp in der Nähe von Erbil, Jänner 2015.

Christlich-aramäische Flüchtlinge aus der Ninive-Ebene in Ain Kawa bei Erbil, Jänner 2015.

Christlich-aramäische Flüchtlinge aus der Ninive-Ebene in Ain Kawa bei Erbil, Jänner 2015.


Auf dem Weg nach Mosul werden nun zunächst die Städte und Dörfer dieser Minderheiten befreit. Auch vier Tage nach Beginn der Mosul-Offensive haben die Peshmerga und die irakische Armee mit ihren schiitischen und assyrischen Verbündeten offenbar noch nicht die Stadtgrenze von Mosul erreicht, sondern kämpfen noch um diese Regionen zwischen Kurdistan und der Stadt Mosul.
Von verschiedenen Frontabschnitten gibt es unterschiedliche Nachrichten über die Intensität der Gegenwehr des IS. Einige wichtige christlich-aramäische Orte und Städte in der Ninive-Ebene dürften die letzten Tage befreit worden sein. Gestern wurden die christliche Stadt Bartilla, das christliche Dorf Mar Oraha und das Shabak-Dorf Fathiliya befreit. Auch die beiden von arabischsprachigen Êzîdî bewohnten Dörfer Bahzani and Bashiqa sind mittlerweile umkämpft. Angeblich wurden gestern erste Teile von Bashiqa befreit. In der bereits voreilig als befreit gemeldeten größten christlich-aramäischen Stadt Hamdaniya (auch Baghdeda oder Qaraqosh genannt) ist es allerdings auch gestern wieder zu Kämpfen gekommen. Hamdaniya war mit ca. 50.000 EinwohnerInnen die größte christlich-aramäische Stadt im Irak. Neben vielen historischen Baudenkmälern, wie Kirchen und Klöstern beherbergte sie seit einigen Jahren auch die erste Universität in der Ninive-Ebene. Offenbar hat sich der IS dort in einigen Stadtvierteln weiter verschanzt, was zu Zerstörungen innerhalb der Stadt führen dürfte.
In Kirkuk kam es heute früh zu einem Angriff eines IS-Kommandos auf Einrichtungen in der Stadt, wobei nach kurdischen Quellen alle Angreifer getötet werden konnen.
Die christliche NGO CAPNI melden bislang 5.600 Flüchtlinge aus den vom IS kontrollierten Gebieten, v.a. südlich von Mosul. Diese Zahl könnte sich in den nächsten Tagen jedoch noch deutlich erhöhen.

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