Der Feind meines Feindes: Zur neuen Achse Qandil – Moskau

Die jüngste Eskalation in der Türkei, die parallel zur Eskalation zwischen Russland und der Türkei verlief, hat frei nach der Logik „Der Feind meines Feindes ist mein Freund“ zu einer Annäherung des PKK-Parteienblocks (PKK, HDP, PYD, PJAK usw.) mit Putins Russland geführt.

Gestern wurde unter der Leitung von Abd Salam Muhammad Ali in Moskau schließlich auch ein offizielles Verbindungsbüro der PYD eröffnet, eine Art „Botschaft“ Rojavas, bei deren Eröffnung auch Vertreter der ukrainischen „Separatisten“ anwesend gewesen sein sollen. All dies wohl gemerkt zu einem Zeitpunkt, an dem Russland gerade Aleppo in Schutt und Asche bombt und dem Regime zur Rückeroberung eines Großteils der von der Opposition (nicht vom IS) gehaltenen Gebiete verhilft. Dabei muss im Zusammenhang von Aleppo allen klar sein, dass sich auch das kurdische Stadtviertel nur so lange autonom behaupten wird können, bis die Stadt vom Regime zurückerobert wird. Für ein autonomes kurdisches Viertel in Aleppo wird es unter Assad keinen Platz geben.

Trotzdem war bisher keinerlei Kritik am militärischen Vorgehen Moskaus in Syrien zu hören. Auf „Russia Today“, einer vom Kreml betriebenen Nachrichtenseite mit starkem Zug zur Propaganda heißt es in einem euphorischen Bericht über die Eröffnung des PYD-Verbindungsbüros in Moskau: „‘The PYD party has supported and welcomed Russian campaign in Syria from its very first days. We will stand by any country that will help the Syrian people fight terrorists, radical groups, and bandits such as never seen before,’ Abd Salam Muhammad Ali said. Furthermore, the fight against Islamic State, Al Nusra, and other radical groups should intensify in Syria, the mission head added, asserting that the Kurds are ready to cooperate with Russia on that.” (https://www.rt.com/news/332077-kurdish-representative-office-moscow/)

Von US-amerikanischer Seite war schon vor der Eröffnung des Büros mehrmals deutlich eine Irritation über diese Annäherung an Russland zu hören. Aus Sicht der US-Administration bedeutet die Annäherung der PKK und PYD an Russland zugleich eine Abwendung vom Westen. Auch Washington ist damit von der Logik des „Feind meines Feindes“ nicht sehr weit entfernt und treibt den PKK-Parteienblock damit noch weiter in die Arme Russlands, das sich schließlich (erfolglos) als einzige Großmacht für die Teilnahme der PYD an den Friedensgesprächen in Genf stark gemacht hatte.

Bei allem Verständnis für Realpolitik und die geringe Zahl an potentiellen Verbündeten, so scheint mir die Wahl Russlands als neuer Verbündeter von PKK, HDP, PYD und Co. doch sehr kurzsichtig zu sein. Lassen wir einmal die grundsätzliche Frage beiseite ob es moralisch vertretbar ist, sich mit einem homophoben Diktator zu verbünden, der in seinem eigenen Land Autonomiebestrebungen ethnischer Minderheiten immer mit massiver Gewaltanwendung unterdrückt hat (Tschetschenien) und zugleich Minderheiten in den Nachbarstaaten für die eigenen Großmachtpolitik instrumentalisiert. Diskutieren wir nur einmal die strategische Frage: Russland ist derzeit der Hauptverbündete des Regimes in Syrien. Wenn das Regime diesen Krieg aufgrund Russlands Intervention gewinnen sollte, wird es keinen Platz mehr für eine Autonomie von Rojava geben. Das Regime in Damaskus hat die Autonomie in Rojava nie auch nur symbolisch anerkannt und wird nie seine Kurdenpolitik ändern. Der Baathismus Assads basiert auf einem arabischen Nationalismus und Zentralismus, der nur durch den Bürgerkrieg derzeit nicht durchgesetzt werden kann. Russland wird schließlich nie seinen Hauptverbündeten wegen dreier kurdischer Kantone aufgeben. Damit hätte PYD, PKK und Co langfristig selbst ihr Experiment Rojava mit zu Grabe getragen.

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3 Gedanken zu „Der Feind meines Feindes: Zur neuen Achse Qandil – Moskau

  1. Johng580

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