Sexualisierte Gewalt gegen Frauen und Mädchen auf der Flucht

In der aktuellen Debatte wird ständig danach gefragt ob „unsere“ Frauen vor Flüchtlingen Angst haben müssen. Diese patriarchal-paternalistische und – wie in meinem letzten Blogbeitrag nachgezeichnet – vielfach rassistisch unterlegte Debatte verschleiert vieles, u.a. auch, dass Frauen auf der Flucht sehr oft sexualisierter Gewalt ausgesetzt sind. Bei meinen Reisen nach Syrien und in die Nachbarstaaten, kamen mir immer wieder Geschichten von Frauen und v.a. von sehr jungen Mädchen unter, die Opfer sexueller Ausbeutung wurden. Viele Familien syrischer Flüchtlinge in der Türkei, im Irak oder im Libanon, wissen sich nicht mehr anders über Wasser zu halten, als mit dem Verkauf ihrer Töchter. Dies erfolgt entweder als offensichtliche Prostitution oder in der Form, dass sie diese sehr jung als Zweitfrauen an z.B. türkische oder saudi-arabische Staatsbürger verheiraten, die dann dafür der Schwiegerfamilie einen notdürftigen Unterhalt gewähren oder zumindest die Familie um eine Esserin erleichtern.

Frauen und Mädchen werden damit nicht nur dann Opfer sexualisierter Gewalt, wenn sie vom „Islamischen Staat“ verschleppt und vergewaltigt werden oder von einer anderen Kriegspartei sexuelle Übergriffe erleben, sondern oft auch dann, wenn sie vermeintlich in Sicherheit sind. Besonders die Ärmsten der Armen wissen sich mittlerweile manchmal nicht mehr anders zu helfen, als das wenige zu Kapital zu machen, was sie noch „haben“: Ihre Töchter.

Unter den alleinreisenden Flüchtlingskindern – und auch diese gibt es in der Türkei immer mehr – betrifft diese sexuelle Ausbeutung nicht nur Mädchen, sondern auch Buben. Das Ausmaß dieser Übergriffe wurde bislang meines Wissens nach nicht wissenschaftlich untersucht. Wer lange genug mit Flüchtlingen aus Syrien und mit ihnen arbeitenden AktivistInnen spricht, kann jedoch nicht die Augen davor verschließen, dass dies ein mit der zunehmenden Verelendung der Flüchtlinge einhergehendes Problem darstellt.

Amnesty International hat sich nun in einem Bericht speziell der Frage angenommen, wie es Frauen auf der Flucht ergeht. Fazit der Menschenrechtsorganisation: Regierungen und Hilfsorganisationen versagen dabei, flüchtenden Frauen aus Syrien und dem Irak auch nur den grundlegendsten Schutz zu gewähren.

Aber lesen Sie selbst: https://www.amnesty.org/en/latest/news/2016/01/female-refugees-face-physical-assault-exploitation-and-sexual-harassment-on-their-journey-through-europe/

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